Wiener Kaffeehauskultur

Entdecken Sie dieses einzigartige Kulturgut

Demel
©Wien Tourismus/Peter Rigaud

Wien ohne Kaffeehäuser. Etwas wahrhaft Unvorstellbares. In kaum einer anderen Stadt der Welt hat sich die Institution Kaffeehaus so in das tägliche Leben der Menschen eingebrannt wie in der österreichischen Hauptstadt. Sei es auf eine schnelle Melange, ein Stück hausgemachter Mehlspeise oder einem traditionellen Wiener Schnitzel: Sowohl Einheimische als auch Touristen erfreuen sich von einem freundlichen Ober bedient zu werden.

Die vielen kleinen Details, die den Kaffeehausbesuch versüßen, nehmen wir oft gar nicht mehr bewusst wahr. Dabei steckt oft eine bemerkenswerte Geschichte dahinter. Erfahren Sie Wissenswertes über die Kaffeehauskultur und delektieren Sie sich an unseren köstlichen Rezepten. Oder Sie informieren sich einfach über unsere Veranstaltungen. Genießen Sie ein bisschen urwienerisches Lebensgefühl.

Verkanntes Kamelfutter oder griechische Erfindung?

Cafe Central
©Wien Tourismus/Gerhard Weinkirn

Die Entstehungsgeschichte der Wiener Kaffeehauskultur reicht weit zurück und ist in mehreren Varianten überliefert: Während der Befreiung der Stadt nach der zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683 fand man in Wien einige Säcke mit unbekannten Bohnen. Diese wurden fälschlicherweise für Kamelfutter gehalten und sollten eigentlich verbrannt werden. Über den polnische König und „Retter Wiens“, Jan Sobieski, gelangten die Säcke in die Hände seine Dolmetschers Georg Franz Kolschitzky, der daraufhin das erste Kaffeehaus gründete. Soweit eine Legende.

Vielmehr der Wahrheit über die Entstehungsgeschichte des ersten Wiener Kaffeehauses dürfte aber die Geschichte des griechischen Händels und Kaufmanns  Johannes Diodato entsprechen.  Dieser erhielt im Jänner 1685 als Dank für seine Dienste als Kurier das Privileg, 20 Jahre lang als alleiniger Händler Kaffee verkaufen zu dürfen und gründete daraufhin in seinem Wohnhaus am Haarmarkt das erste Wiener Kaffeehaus.

Ursprünglich nur Herren vorbehalten, entwickelte sich der Kaffeehausbesuch im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zu einer Familientradition. Seinen Höhepunkt erlebte der Kaffeehausboom in den Jahren zwischen 1930 und 1940. Der Höchststand wurde 1938 mit 1283 Kaffeehäusern erreicht. Danach machte sich in der Branche ein Wandel bemerkbar. 1994 gab es in Wien nur mehr 584 gezählte Kaffeehäuser, dafür aber eine Vielzahl an neu entstandenen Mischformen: 705 Cafe-Restaurants, 182 Cafe-Konditoreien und 1083 Espressos.

Wiener Kaffeelexikon:

  • Verlängerter - Mokka mit viel Wasser
  • Der kleine/große Braune - Aromatischer, schwarzer Espresso mit Kaffeeobers
  • Die Melange - Bohnenkaffee mit geschäumter Milch und Milchschaum
  • Franziskaner - Melange, die statt des Milchschaums mit Schlagobers versehen ist
  • Kaffee verkehrt - In einem Glas servierter Milchkaffee, der mehr Milch als Kaffee enthält (auch Caffe Latte)
  • Der kleine/große Mokka - Purer Espresso (auch „kleiner/großer Schwarzer“)
  • Einspänner - Doppelter Mokka mit viel Schlagobers
  • Überstürzter Neumann - In eine leere Kaffeeschale kommt Schlagobers, das danach getrennt mit einem doppelten Mokka serviert wird. Beim Servieren wird der Mokka dann über das Schlagobers gestürzt
  • Fiaker - Doppelmokka mit einem Schuss Kirschwasser „gespritzt“ – serviert im Henkelglas mit Schlagobershaube und Cocktailkirsche