Wiener Kaffeehauskultur
Eine gewachsenes Stück Wien…
Wien ohne Kaffeehäuser. Etwas wahrhaft Unvorstellbares. In kaum einer anderen Stadt der Welt hat sich die Institution Kaffeehaus so in das tägliche Leben der Menschen eingebrannt wie in der österreichischen Hauptstadt. Sei es auf eine schnelle Melange, ein Stück hausgemachter Mehlspeise oder einem traditionellen Wiener Schnitzel: Sowohl Einheimische als auch Touristen erfreuen sich von einem freundlichen Ober bedient zu werden.
Die vielen kleinen Details, die den Kaffeehausbesuch versüßen, nehmen wir oft gar nicht mehr bewusst wahr.
Dabei steckt oft eine bemerkenswerte Geschichte dahinter.
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Verkanntes Kamelfutter oder griechische Erfindung…
Die Entstehungsgeschichte der Wiener Kaffeehauskultur reicht weit zurück und ist in mehreren Varianten überliefert: Während der Befreiung der Stadt nach der zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683 fand man in Wien einige Säcke mit unbekannten Bohnen. Diese wurden fälschlicherweise für Kamelfutter gehalten und sollten eigentlich verbrannt werden. Über den polnische König und „Retter Wiens“, Jan Sobieski, gelangten die Säcke in die Hände seine Dolmetschers Georg Franz Kolschitzky, der daraufhin das erste Kaffeehaus gründete. Soweit eine Legende. Vielmehr der Wahrheit über die Entstehungsgeschichte des ersten Wiener Kaffeehauses dürfte aber die Geschichte des griechischen Händels und Kaufmanns Johannes Diodato entsprechen. Dieser erhielt im Jänner 1685 als Dank für seine Dienste als Kurier das Privileg, 20 Jahre lang als alleiniger Händler Kaffee verkaufen zu dürfen und gründete daraufhin in seinem Wohnhaus am Haarmarkt das erste Wiener Kaffeehaus.
Kaffeehausboom in den 1930er-Jahren
Ursprünglich nur Herren vorbehalten, entwickelte sich der Kaffeehausbesuch im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zu einer Familientradition. Seinen Höhepunkt erlebte der Kaffeehausboom in den Jahren zwischen 1930 und 1940. Der Höchststand wurde 1938 mit 1283 Kaffeehäusern erreicht. Danach machte sich in der Branche ein Wandel bemerkbar. 1994 gab es in Wien nur mehr 584 gezählte Kaffeehäuser, dafür aber eine Vielzahl an neu entstandenen Mischformen: 705 Cafe-Restaurants, 182 Cafe-Konditoreien und 1083 Espressos.
Wiener Kaffeelexikon:
Verlängerter – Mokka mit viel Wasser
Der kleine/große Braune – Aromatischer, schwarzer Espresso mit Kaffeeobers
Die Melange – Bohnenkaffee mit geschäumter Milch und Milchschaum
Franziskaner – Melange, die statt des Milchschaums mit Schlagobers versehen ist
Kaffee verkehrt – In einem Glas servierter Milchkaffee, der mehr Milch als Kaffee enthält (auch Caffe Latte)
Der kleine/große Mokka – Purer Espresso (auch „kleiner/großer Schwarzer“)
Einspänner – Doppelter Mokka mit viel Schlagobers
Überstürzter Neumann – In eine leere Kaffeeschale kommt Schlagobers, das danach getrennt mit einem doppelten Mokka serviert wird. Beim Servieren wird der Mokka dann über das Schlagobers gestürzt
Fiaker – Doppelmokka mit einem Schuss Kirschwasser „gespritzt“ – serviert im Henkelglas mit Schlagobershaube und Cocktailkirsche
CAFE HAWELKA
Während die Goldenen Jahre wohl vorüber sind, ist es die äußere Welt, die sich verändert hat, nicht das Café Hawelka. Es stellt immer noch eine Zuflucht für viele Künstler, Schriftsteller und Musiker dar.
Drei Generationen von Hawelkas arbeiten jetzt im Kaffeehaus, aber Herr Hawelka führt tagsüber immer noch den Vorsitz über sein Reich, grüßt jeden Gast persönlich und schafft immer noch, einen freien Platz für jeden zu finden. Am späten Abend weht, wie an jedem Abend seit einem halben Jahrhundert, der Duft von Frau Hawelka's legendären Buchteln durch den Raum.
Café Hawelka | Dorotheergasse 6 | A-1010 Wien | Tel.: +43 (1) 512 82 30 | Fax: + 43 (1) 32 815 31 | office(at)hawelka.com | www.hawelka.at
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